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Wer gern einmal selbst Bilder entwickeln m√∂chte, ohne viel Geld oder Fachwissen investieren zu m√ľssen, f√ľr den ist die Cyanotypie sicherlich eine gute Alternative zu 'richtigen' SW- oder Farbbildern. Die Cyanotypie ist ein Edeldruckverfahren, welches im Jahre 1842 von John Herschel entwickelt wurde. Sie liefert blaue (teilweise ins br√§unliche √ľbergehende) Bilder, die sehr lichtstabil und haltbar sind. Anwenden l√§sst sich dieses Verfahren auf verschiedenste Papiere und sogar Textilien, Holz und √§hnliches. Somit bietet die Cyanotypie neben dem Fotografieren des Bildes zus√§tzlichen kreativen Freiraum. Der finanzielle und zeitliche Aufwand h√§lt sich dabei in Grenzen. Es werden nur wenige Chemikalien und ein paar 'Haushaltsutensilien' ben√∂tigt.

 

 A C H T U N G :

Die verwendeten Chemikalien werden zwar nicht als gefährlich eingeschätzt, aber man sollte dennoch vorsichtig damit arbeiten!!! Die Chemikalien können reizend wirken, vor allem auf die Schleimhäute. Bei der Verarbeitung sollte auch darauf geachtet werden, keinen Staub oder Dämpfe einzuatmen! Chemikalien unbedingt sicher, fernab von Kindern und gut beschriftet aufbewahren!

Benötigt werden:

Ammoniumeisen(III)-citrat (gr√ľn)
Kaliumhexacyanoferrat-III (auch bekannt als rotes Blutlaugensalz)
Wasserstoffperoxid oder Citronensäure
destilliertes Wasser
Haushaltsgelatine in Pulverform
ein Pinsel mit Kunststofffassung (kein Metall!) oder einen Schaumstoffpinsel
kleine Malerrollen mit Schaumstoff- und Kunstfellrollen
MessbecherR√ľhrstab aus GlasCyanotypie Utensilien
Einwegglas oder ähnliches als Mischungsbehälter
2 Braunglasbeh√§lter f√ľr die Chemikalien
eine K√ľchenwaage (sollte auf ein Gramm genau anzeigen)
digitales Thermometer
Zeitungspapier
Frischhaltefolie
Glasscheibe
Kunststoffbox (sollte groß genug sein, damit das spätere Bild bequem hinein passt)
evtl. Gesichtsbräuner oder ähnlichen UV-Strahler
Papier (Aquarellkarton, o.ä.)
bedruckbare Folie f√ľr den Drucker

Die Liste sieht zwar erst einmal recht lang aus, aber viele Dinge davon finden sich in jedem Haushalt und verursachen weder Kosten noch M√ľhe. Das gr√∂√üte 'Problem' (wenn man es so nennen m√∂chte) wird das besorgen der Chemikalien sein. Dort kann man mal etwas im Internet st√∂bern und sollte unter Zuhilfenahme von diversen Suchmaschinen auch f√ľndig werden. Alternativ kann man auch mal in der Apotheke nachfragen. Die beiden Chemikalien (Amoniumeisen(III)-citrat & Kaliumhexacyanoferrat-III) haben ich mir √ľber den Online-H√§ndler Omikron organisiert. Dort kann man auch Braunglasbeh√§lter, R√ľhrst√§be, Messbecher und vieles mehr beziehen.

Macht einen Gesamtbetrag von nicht ganz 35‚ā¨ und reicht f√ľr viele viele Canotypien. Vielleicht bekommt man in einer Apotheke auch bessere Preise angeboten. CitronenS√ĄURE h√∂rt sich zwar erst mal 'schlimm' an, aber hierbei handelt es sich um gew√∂hnliche Haushalts- bzw. Lebensmittels√§ure (als Granulat), welches man vielseitig einsetzen kann. Dadurch findet man hierf√ľr auch Angebote bei eBay oder Amazon. Citronens√§urel√∂sungen k√∂nnen auch als Reinigungsmittel und Kalkl√∂ser im Haushalt eingesetzt werden. Also vielleicht lohnt sich gleich die Anschaffung eines 1kg-Beutels. Aber das bleibt jedem selbst √ľberlassen. Wasserstoffperoxid und Citronens√§ure ben√∂tigt man nicht unbedingt. Mit diesen Chemikalien (einer von beiden) kann man das Bild nach der Entwicklung noch etwas 'aufpushen'. Citronens√§ure sorgt dabei f√ľr ein sehr kr√§ftiges sattes blau, w√§hrend Wasserstoffperoxid ein etwas ged√§mpfteres Blau hervorruft, wodurch das gesamte Bild etwas '√§lter' wirkt.

Wie den Hinweisschildern auf den Chemikalienverpackungen zu entnehmen ist, sind die Stoffe teilweise reizend. Auch wenn diese nicht hochgefährlich und hochgiftig sind, sollte doch immer etwas Vorsicht geboten sein, wenn man mit diesen Chemikalien arbeitet!!! Also stets abseits von Kindern lagern, auf Sauberkeit achten und nicht mit Lebensmitteln in Verbindung bringen.

1.) erstellen des Negativs

Als erstes ben√∂tigen wir nat√ľrlich ein Negativ des Bildes, welches in Cyanotypie umgesetzt werden soll. Prinzipiell kann man jedes beliebige Bild daf√ľr nehmen. Am Besten eignen sich jedoch sehr kontrastreiche Bilder. Das digitale Bild wird in einem Grafikbearbeitungsprogramm beliebig bearbeitet, zurechtgeschnitten und optimiert. Da die Cyanotypie nur Blaut√∂ne in verschiedenen Abstufungen hervorbringt, k√∂nnen logischerweise keine Farbbilder im eigentlichen Sinne erzeugt werden. Aus diesem Grund wird das digitale Ausgangsbild nun in schwarz-wei√ü umgewandelt und bez√ľglich Kontrast und Belichtung nach Belieben optimiert. Hat man das sw-Bild so vorliegen, wie man es gern umsetzen m√∂chte, wird es im letzten Schritt einfach invertiert, um ein Negativ des Bildes zu bekommen. Dieses wird nun in m√∂glichst hoher Qualit√§t auf eine Folie ausgedruckt. Das Negativ muss dabei genauso gro√ü sein, wie auch das sp√§tere Cyanotypie-Bild sein soll. Mit einem haushalts√ľblichen Drucker ist man hierbei also auf DIN A4 oder DIN A3 begrenzt. Man kann sich seine Negative aber auch in Copyshops oder Fotol√§den in gr√∂√üerem Format auf Folie bringen lassen.

2.) Vorbereiten des Papiers

Man sucht sich ein geeignetes Papier, auf dem das Bild sp√§ter entwickelt werden soll. F√ľr den Anfang eignen sich Bastelkartonagen oder Aquarellkarton aus dem Bastelladen. Dieses muss nicht zwangsl√§ufig wei√ü sein. Man kann durchaus auch mit anderen Farben wie bspw. gelb experimetieren. Dieses Papier wird auf die richtige Gr√∂√üe zurecht geschnitten. Da das Bild genauso gro√ü wird, wie das Negativ, muss logischerweise auch das Papier mindestens diese Gr√∂√üe aufweisen. Es kann aber auch gr√∂√üer sein als das Negativ. Der √ľberstehende Rand kann nachtr√§glich noch abgeschnitten werden, oder auch zur Gestaltung eines Rahmens dienen.

Das Papier muss nun zun√§chst geleimt werden. Um den guten K√ľchentisch nicht zu versauen, empfiehlt es sich, diesen gro√üfl√§chig mit Frischhaltefolie abzudecken. Darauf wird das Papier gelegt.¬† Nun wird eine 4%ige Gelatine-L√∂sung hergestellt. Dazu 4g Haushaltsgelatine in 100ml destilliertes Wasser geben und etwa 15- 20 min quellen lassen. Dazu eignet sich ein gro√ües Einwegglas oder √§hnliches. Nach der Quellzeit wird die Gelatinel√∂sung in einem Wasserbad erw√§rmt und ab und an umger√ľhrt. Die L√∂sung sollte jedoch nicht w√§rmer als 50¬įC werden.¬† Dies kann man einem Digitalthermometer (ich selbst nutze ein Multimeter, welches √ľber eine Temperaturmessfunktion verf√ľgt) kontrolliert werden. Hat die Gelatine die Zieltemperatur erreicht, wird das Papier gleichm√§√üig unter Zuhilfenahme der Schaumstoffrolle mit der L√∂sung beschichtet. Es sollten sich keine Pf√ľtzen auf dem Papier bilden und es darf auch keine Ecke vergessen werden. Empfehlenswert is es, nicht zu schnell √ľber das Papier zu rollen, damit sich nicht zu viele Luftblasen und Schaum bilden. Bilden sich dennoch Luftblasen, k√∂nnen diese anschlie√üend mit der Kunstfellrolle (trocken) weggerollert werden. Anschlie√üend wird das Papier zum Trocknen aufgeh√§ngt oder beiseite gelegt. Abh√§ngig davon, wie gro√üz√ľgig man mit der Gelatine an den R√§ndern des Papiers umgegangen ist, kann das Papier auch untern drunter kleben! Also nicht unbedingt auf dem guten Wohnzimmertisch zum Trocknen ablegen. Ist das Papier getrocknet, ist es sinnvoll, den Vorgang noch ein oder zwei Mal zu wiederholen. Wie √ľberall ist es auch hier so: Je besser die Vorbereitung, desto besser das Endergebnis.

3.) Anrichten der Chemikalien

F√ľr die Cyanotypie ben√∂tigen wir eine 16%ige Kaliumhexacyanoferrat-III-L√∂sung und eine 26%ige Ammoniumeisen(III)-citrat-L√∂sung. Dazu also mit der K√ľchenwaage 16g Kaliumhexacyanoferrat-III und 26g Ammoniumeisen(III)-citrat abwiegen und jeweils mit 100ml destilliertem Wasser mit dem Glasr√ľhrstab vermischen. Darauf achten, dass sich keine Kl√ľmpchen bilden. Wenn man eine h√∂herprozentige Ammoniumeisen(III)-citrat-L√∂sung verwendet, bekommt das sp√§tere Bild einen rot-braunen Farbstich. Beide Chemikalien sollten jeweils in einem Braunglasbeh√§lter angerichtet werden. Das Ammoniumeisencitrat ist bereits im 'Rohzustand' minimal lichtempfindlich und sollte deshalb stets vor Lichteinstrahlung gesch√ľtzt werden.

4.) Mischen der Sensibiliesierungslösung

Um eine L√∂sung zu erhalten, die lichtempfindlich ist, m√ľssen die beiden vorher hergestellten Chemikalien im Verh√§ltnis 1:1 vermischt werde. Dieses Vermischen sollte in einem abgedunkelten Raum mit sehr wenig Licht stattfinden. Empfehlenswert ist hier eine kleine Rotlichtlampe, welche gerade genug Licht liefert, damit man sieht, was man macht. Die so entstandene L√∂sung ist nur sehr begrenzt haltbar (ca. 1 Tag) und sollte deshalb sofort verarbeitet werden. Also stets nur so viel Fl√ľssigkeit zusammen mischen, wie man auch ben√∂tigt. Die beiden Fl√ľssigkeiten einzeln k√∂nnen √ľber l√§nger Zeit (1-2 Wochen) im K√ľhlschrank gelagert werden. Das Papier (geleimt und getrocknet) wird nun mit Hilfe des Pinsels mit der Sensibilisierungsl√∂sung gleichm√§√üig beschichtet. Auch hierbei d√ľrfen sich keinerlei Pf√ľtzen bilden. √úbersch√ľssige Fl√ľssigkeit kann mit einer sauberen Schaumstoffrolle abgenommen werden. Als Unterlage w√§hrend des Beschichtens eignet sich sehr gut altes Zeitungspapier. Das gesamte Papier muss gleichm√§√üig bestrichen werden. Vergisst man einige Stellen, hat man sp√§ter 'L√∂cher' im Bild. Das Papier wird nun bei v√∂lliger Dunkelheit (!!!) trocknen gelassen. Ist dies beendet, hat man sein fertiges, lichtempfindliches Papier (also unbedingt vor ungewollter Belichtung sch√ľtzen).

5.) Belichtung

F√ľr die Belichtung wird das Papier nun auf einen festen Untergrund (Parkett-/Laminatfu√üboden, Holzplatte, ...) gelegt. Das Negativ kommt auf das Papier drauf (nat√ľrlich auf die lichtempfindliche Seite). Das alles sollte noch in einem abgedunkelten Raum stattfinden. Zur Fixierung des Negativs und damit dieses auch richtig am Papier anliegt, wird eine Glasplatte dar√ľber gelegt. Damit wird das Papier mit dem Negativ 'verpresst'. Ab jetzt darf (und soll) das Papier wieder Licht abbekommen. Die Belichtung geschieht am besten mit einem Gesichtsbr√§uner. Dieser liefert eine konstante Lichtleistung und man bekommt nach und nach ein Gef√ľhl daf√ľr, wie lange ein Bild belichtet werden muss. Mit einem normalen Gesichtsbr√§uner liegt die Belichtungszeit in etwas bei 20-30min. Das ist selbstverst√§ndlich von der Leistung des Ger√§tes abh√§ngig und erfordert etwas Experimentierfreudigkeit. Wer keinen Gesichtsbr√§uner oder √§hnliches zur Hand hat, kann das gesamte 'Presswerk' auch in die Sonne legen.

6.) Ausentwicklung

Ist die Belichtungszeit vor√ľber, muss das Bild ausgewaschen werden. Daf√ľr dient die gro√üe Kunststoffbox. Das Bild wird unter dem Negativ hervor genommen und sofort (ohne dass das Bild noch viel Licht abbekommt) in die mit Leitungswasser gef√ľllte Kunststoffbox gelegt. Hier werden nun die unbelichteten (aber noch lichtempfindlichen) Teile des Bildes ausgewaschen. Die belichteten Teile des Bildes sind bei der Belichtung ins Papier eingedrungen und k√∂nnen nicht mit ausgewaschen werden. Um das Wasser in Bewegung zu halten, wird die Kunststoffbox vorsichtig hin und her bewegt. Das Leitungswasser sollte mehrmals gewechselt werden. Alternativ kann das Bild auch unter flie√üendem Leitungswasser ausgewaschen werden. Das Bild muss so lange bew√§ssert werden, bis keine gr√ľne Farbe mehr aus dem Bild heraus kommt. Wem das Ergebnis bereits gef√§llt, der kann das Bild nun zum Trocknen beiseitelegen. Ansonsten kann man das so entstandene Bild nun noch

7.) veredeln

Um die Farbbrillanz zu steigern, kann das fertig gew√§sserte Bild noch f√ľr ca. 30sec in eine Citronens√§ure-L√∂sung gelegt werden. Dazu einfach 2-5EL Citronens√§ure in 1l warmem Wasser aufl√∂sen und das Bild darin baden. Dies sorgt f√ľr ein sehr sattes Blau und einen hohen Kontrast. Wer seine Bild etwas altern lassen m√∂chte, der kann dieses anstatt in Citronens√§ure in eine 0,3%ige Wasserstoffperoxidl√∂sung (bei 30%igem Wasserstoffperoxid ca. 50ml Wasserstoffperoxid auf 5l Wasser) einlegen (ebenfalls etwa 30sec). Wenn man wei√ües Papier verwendet hat, bekommt dieses dadurch einen leichten vergilbten Touch und das Blau wird etwas ged√§mpft. In den folgenden zwei Bildern kann man den Unterschied gut sehen. Links: Wasserstoffperoxid; Rechts: Citronens√§ure.

WasserstoffperoxidZitronensäure

Artotheke.de √ľbernimmt keine Haftung f√ľr den falschen Umgang mit Chemikalien. Dieses Verfahren sollte mit der entsprechen Vorsicht angewendet werden. Dieser Artikel versteht sich ausschlie√ülich als Anwendungsvorschlag.